Das ist ja toll geworden", staunte Dr. Urs Diederichs am frisch renovierten Steffenshammer. Im letzten Jahr noch Hausherr, konnte der Chef des Historischen Zentrum und des Deutschen Werkzeugmuseums sich am Wochenende ganz entspannt als Besucher ansehen, was der neue Besitzer, der Steffenshammer e.V., im letzten halben Jahr geleistet hat.
Mit einem "Hammerfest" baten die Aktiven um Vereinsvorsitzenden Lutz Kleuser zur Besichtigung - und gleichzeitig zu einem entspannten Treff in der herrlich grünen Umgebung im Gelpetal. Dabei steckten die historischen Bezüge sogar noch im neu verlegten Kopfsteinpflaster. Das war eine Spende und stammte vom früheren Hastener Bahnhof.
Rund 50 000 Euro musste der Steffenshammer e.V, Förderverein für historische Schmiedetechnik, für dringende Instandsetzungen arbeiten ansetzen. Aufwendig musste etwa die Technik des Hammers renoviert werden - Ersatzteile gibt's nicht im Baumarkt. Nächstes Projekt: Das dazugehörige Fachwerkhäuschen, "Kiepe" genannt, soll zu einem Ausstellungsraum werden.
Künftig soll ein junger Schmied und Designer hier mehrere Tage in der Woche arbeiten - und auch Gäste willkommen heißen. Ohnehin hatte der Verein mit der Stadt vereinbart, regelmäßige Führungen anzubieten. Sie können auch übers Historische Zentrum vermittelt werden. Der frühere Museumsmann Diether Orth, nun in Rente, gehört zum Vorstand des Vereins.
STEFFENSHAMMER IM GELPETAL
DER Schmiedehammer wurde 1746 errichtet. Neben Herstellung von Werkzeugen und Kleineisenwaren wurde hier Raffinierstahl geschmiedet
ER hat als Schwanzhammer mit hölzernem "Viergespann" als einziger funktionstüchtiger bergischer Wasserhammer noch die ursprüngliche Bauart aus dem 18. Jahrhundert.
BIS 1928 war der Hammer in Betrieb durch die Familie Steffens und wurde danach noch bis zum Jahr 1958 für gelegentliche Arbeiten genutzt. Dann übernahm ihn die Stadt Remscheid; Anfang 2009 der Steffenshammer e.V.
Bürger geben ein Beispiel für die Stadt - Maßstäbe am Hammer
Kommentar: Von Gerhard Schattat
gerhard.schattat@rga-online.de
Die Stadt Remscheid - ob Boom oder Krise - ist klamm. Die Bürger wissen das schon längst; die Stadt beginnt so langsam, Konsequenzen aus der nicht hinnehmbaren Lage zu ziehen - ganz langsam. Das kann für den Bürger aber auch einen echten Gewinn bedeuten. Zumindest im Fall des Steffenshammer e.V. ist das so.
Er kaufte das historische Anwesen, um es der Öffentlichkeit zu erhalten. Was allein im letzten halben Jahr an Instandhaltung am Hammer-Gelände geschah, so kommentierte ein Insider der Stadt, hätte er vielleicht irgendwann mal erlebt, wenn er im Rollstuhl säße - oder auch nie.
Rund 45 Mitglieder, darunter solche aus Remscheider Schmiedefamilien, gehen mit Herzblut an die Sache, besorgen Spenden, legen Hand an, organisieren Feste und Führungen. Beim Fest am Steffenshammer waren nicht zuletzt die Hastener Feuerwehrleute als hilfreiche Ordner aktiv. - schließlich bildete der Hammer eine Station bei Hasten Historic. Hier wird Geschichte lebendig; erfahrbar und (siehe Oldtimer) befahrbar.
Für Remscheid bietet das weitere Chancen, sich auch überregional als Stadt mit attraktiven Angeboten darzustellen. Die Bürger können es selbst; einer muss es ja machen.
VON GERHARD PICK
Foto: Auch die jüngeren Besucher des Hammerfestes im und am Steffenshammer zeigten reges Interesse an Vorführungen alten Handwerks. Foto: Hertgen
Remscheid (RP) Der Amboss erklingt wieder im Steffenshammer, den der "Steffenshammer e.V., Förderverein für historische Schmiedetechnik" am Wochenende beim ersten Hammerfest in neuem Glanz der Öffentlichkeit präsentierte – die Umgebung befreit von allzu üppig wucherndem Grün, sauber draußen und drinnen, und vor allem technisch wieder so instand gesetzt, dass alles funktioniert. Wie gut, zeigten bereits die ersten Vorführungen, bei denen Friedrich Halbach, Senior der Halbach-Schmiedetechnik, als ausgewiesener Fachmann den Gästen die nötigen Erklärungen gab, während die von einem Gewirr mehrerer Treibriemen angetriebenen Hämmer in rasendem Takt auf rot glühendes Eisen schlugen.
Steffenshammer neu beleben
Musik für die Ohren der Spaziergänger, die gleich einen Blick ins Halbdunkel des Hammers wagten. Wenn sie sich nicht erst einmal zwischen "Kiepe", Hammer und Hammerteich umschauten, wo Georg Jürgens unter offenem Himmel Schmiedekunst zeigte und zum Mitmachen einlud. So, wie er es künftig vielleicht öfter einmal machen könnte. Schließlich hat auch er sich vorgenommen, den Steffenshammer wieder zu beleben. So wie auch die "Treckerfreunde", die sich spontan entschlossen hatten, das Hammerfest mit ihren alten Hanomag, Porsche und Fahr zu besuchen. Oder die Organisatoren der 5. Hasten Historic, die aus diesem besonderen Anlass die Karawane der schmucken Oldies durch das Gelpetal zum Clemenshammer führten, wo die Schmuckstücke für einige Zeit zu besichtigen waren.
Gestern sorgten Henning Paur mit zünftigem Jazz und die "Plattkaller" für beste Stimmung am Steffenshammer, dessen Rolle als Attraktion weiter ausgebaut werden soll. So soll die "Kiepe", in der Hämmer- und Kottenforscher Günther Schmidt gleich zwei Bücher mit seltenen Fotos ausstellte, wieder zum Ausstellungs- und Kommunikationsraum werden. Hier könnten neben Nachweisen frühindustrieller Produktion auch moderne Verfahren über Filme präsentiert werden, erklärte Lutz Kleuser, . Vorsitzender des "Fördervereins Steffenshammer e.V.".
Auch sei es möglicherweise interessant, das Gelände des Steffenshammers mit Ausstellungsstücken, die zum Thema passten, zu bestücken. Ideen gibt es viele. Und konkrete Pläne: So muss der Hammerteich demnächst entschlammt werden, und auch der übrige Außenbereich braucht noch einige Pflegemaßnahmen.
Der Steffenshammer soll touristisch in bestehende oder in Entstehung begriffene Strukturen eingebunden werden. Und am Tag des Denkmals im September sowie in der Nacht der Kultur im Oktober will der Steffenshammer e.V. mitmachen. Vorhaben, für die der Verein gut weitere Mitstreiter brauchen könnte. "Wir freuen uns über jeden, der Interesse zeigt und mitmachen will", sagte Lutz Kleuser.
Steffenshammer: Neuer Hausbesitzer lud zur Eröffnung ein
Das Wetter hätte heute nicht besser sein können, um den frisch herausgeputzten Steffenshammer im Morsbachtal, seit Anfang dieses Jahres im Besitz des gemeinnützigen „Steffenshammer e.V. - Verein zur Förderung historischer Schmiedetechnik“, der Öffentlichkeit vorzustellen. Der 1746 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Hammer, in dem einst Werkzeugen und Kleineisenwaren hergestellt und Raffinierstahl geschmiedet wurde, war von der Stadt samt dem umliegenden 4.484 Quadratmeter großen Grundstück zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro an den Verein abgegeben worden (siehe Waterbölles-Bericht vom 11. November 2008), der sich zuvor verpflichtet hatte, wir den historischen Hammer zu erhalten und vielfältig zu nutzen – für Führungen und Besichtigungen, Schmiedekurse, Firmenevents und Privatfeiern. Zitat: „Das Schmieden mit historischen Techniken soll den Hammer auf authentische Weise mit Leben füllen und die Arbeitswelt unserer Vorfahren heute für Kinder und Erwachsene erlebbar machen.“ Und genau das geschah heute, nachdem die Vereinsmitglieder zuvor in wochenlanger Arbeit Gebäude- und technische Teile repariert und die gesamte Anlage von Grund auf gereinigt hatten. Heute ist der Steffenshammer der letzte noch funktionsfähige Schmiedekotten im Gelpetal. Und die sonnige Einweihungsfeier/Grillparty lockte viele an. Nicht ausgeschlossen, dass der Verein am heutigen Tag neue Mitglieder gewonnen hat. Je mehr in die Vereinskasse kommt – an Mitgliedbeiträgen und Spenden -, desto schneller kann die Sanierung vorangehen. Die ist mit 80.000 bis 90.000 Euro veranschlagt.